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Verordnung über das Naturschutzgebiet „Bingenheimer Ried“, Gemarkungen Bingenheim und Gettenau, der Gemeinde Echzell und Gemarkung Heuchelheim, Stadt Reichelsheim, Wetteraukreis vom 2. Januar 1985
StAnz. 3/1985, S. 204
Größe ca. 85 ha
Bedeutendes Brut-, Rast- und Nahrungsareal einer Vielzahl seltener und bestandsge-fährdeter, feuchtlandgebundener Vogelarten in der Horloffniederung zwischen Echzell und Reichelsheim im Wetteraukreis.        Siehe auch: http://www.nabu-bingenheim.de/bingenheimer-ried


Der Teich vor dem Beobachtungsturm (Mai 2016)


Die Spezies ist bekannt unter dem Namen „Schmierfink“. Ob Einzel oder Paarweise,  wir wissen es nicht. Aber die Hinterlassenschaften sind eindeutig. Waren es vor einiger Zeit die Pulttafeln, die beschmiert wurden, so ist es diesmal der Beobachtungsturm. Innen. Außen. „Schmierfinke“ zeichnen sich aus durch „Spatzenhirn“.


 

Ried_Broschüre-alt.pdf
Die erste Info-Broschüre über das "Bingenheimer Ried".


Bereits am 1. März 2016 im Ried zu sehen. Kiebitze.






Wetterauer Zeitung_03.10.2015.jpg






NABU Sprayer.pdf
 NABU-Gruppe ist entsetzt und bittet um Unterstützung.


Presseartikel vom 1. August 2015


Wetterauer Zeitung 20150801.pdf
  als PDF


Wetzterauer Zeitung 20150801(1).jpg
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Aus: http://www.hgon.de/voegel/beobachten/hgon-birdnet/

Vor einigen Tagen wurde an dieser Stelle im Hinblick auf die Situation im NSG Bingenheimer Ried die Frage gestellt „Was meinen denn die zuständigen Herren in der HGON zu dem Vorgehen des Forstamts Nidda?“ Mit einem herzlichen Dank für das vielfältige Interesse an diesem überaus wichtigen NSG wollen wir diese Frage gerne beantworten. 

Zunächst muss klar betont werden, dass das Forstamt Nidda hier wie auch sonst in enger Abstimmung mit allen zuständigen Bereichen (ONB, UNB, Verbände, Gebietsbetreuer) handelt. Das Verschwinden der Wasserflächen ist die Folge der extremen Trockenheit in diesem Jahr. 2015 war tlw. der trockenste Sommer seit 50 Jahren. In Bingenheim fielen von Februar bis Ende Juli lediglich 170mm Niederschlag, in Normaljahren sind es mehr als doppelt so viel.

Aus Sicht der Natur und des Naturschutzes sind Extremereignisse wie diese Trockenheit jedoch keine Katastrophe, sondern wichtiger Bestandteil der natürlicherweise schwankenden Lebensraumverhältnisse, an die viele Arten speziell angepasst sind. Für die hier vorkommenden, bedrohten Amphibien (bedeutendstes Vorkommen der Knoblauchkröte in Hessen, landesweit außerordentlich bedeutsame Populationen von Laubfrosch, Kammmolch, Wechselkröte u.a.) ist die Trockenheit sogar ein echter Glücksfall. Seit zwei Jahren wird in Zusammenarbeit von Uni Gießen, Ornithologen, Gewässerökologen, Gebietsbetreuer, NABU, HGON, UNB, ONB und Forstamt der massive Bestandseinbruch der Amphibien im Horlofftal südlich der BAB A45 untersucht. Als wichtigstes Ergebnis hat sich ein sehr hoher Fischbestand in den meisten der hiesigen Flachgewässer, darunter Neozoen wie Blauband-Bärbling und Sonnenbarsch, die Laich und Larven fressen, herausgestellt. Eine erfolgreiche Reproduktion der Amphibien findet in den fischbesetzten Gewässern kaum mehr statt, wie intensive Kontrollen gezeigt haben.

Die Fische sind über die Horloff bei Hochwasser ins Gebiet gekommen. Auch aus diesem Grund wurde eine Pendelklappe am Wehr montiert, die den Überlauf über das Wehr verhindert. Zusätzlich wird auch das Risiko von Überschwemmungen durch Hochwasser der Horloff zur Brutzeit gemindert. Deshalb wurde auch kein Horloffwasser in das Gebiet gelassen, als es in letzter Zeit einige Regenschauer mit leicht erhöhtem Wasserstand in der Horloff gab - so würden sofort wieder Fische ins Gebiet gelangen und die aus Naturschutzsicht sehr günstige und für viele bedrohte Arten im Gebiet wichtige Trockenphase wäre umsonst gewesen. Dieses ist eine gemeinsame Entscheidung aller beteiligten Akteure. Mit den zu erwartenden Winterregenfällen wird das Gebiet aber mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zu einem ausreichenden Wasserstand kommen, zumal nun ja auch der Pfaffensee-Überlauf in das Ried entwässert, so dass das Regen-Einzugsgebiet gegenüber den letzten Jahren deutlich vergrößert ist. 

Daher wird das Ried während dieser Herbstzugphase, wenn es nicht kurzfristig zu nennenswerten Regenfällen kommt, trocken bleiben. Aus Sicht der Rastvögel ist das z.T. extreme Schwanken von Wasserständen zwischen Hochwasser und kompletter Austrocknung ein ganz natürlicher Vorgang. Für solche Fälle kennen die Vögel alternative Rastplätze. die gerade in der Wetterau mit ihrer Vielzahl von Rastgebieten auch ausreichend vorhanden sind. So können die Kraniche unproblematisch zum wesentlich größeren Rastplatz in der Mittleren Horloffaue ausweichen, wo in den letzten Jahren aufgrund der vielfach weitläufigeren und ungestörteren Verhältnisse ohnehin meist um den Faktor 10 oder 20 höhere Bestände rasteten.

Abschließend wollen wir noch einmal betonen: Grundsätzlich sind solche Trockenphasen in Flachwassergebieten und Temporärgewässern ein zwar seltenes, aber dennoch normales und vor allem wichtiges Instrument der Natur, um eine maximale Vielfalt zu erreichen. Hier gilt in Auen so sehr wie in nur wenigen anderen Lebensräumen der Satz "Konstant ist allein der Wandel". Selbstverständlich soll die Trockenheit kein Dauerzustand werden, aber für das Jahr 2015 sollten wir alle die Geduld aufbringen, diesen natürlichen Prozessen auch den nötigen Raum zu geben. Letztmals gab es eine ähnliche Situation im Sommer 2003.
Viele Grüße,
Stefan Stübing für die Arbeitsgemeinschaft aus ONB; UNB, NABU, HGON, Forstamt Nidda und Uni Gießen


Aus dem Bingenheimer Ried kamen zwei Junghengste nach Rockenberg. Dort werden sie, zusammen mit Rindern, Naturschutzgebiete und Naturschutzflächen beweiden.


Mit Verordnung vom 22. Januar 1985 wurde das Bingenheimer Ried als Naturschutzgebiet ausgewiesen. 2015 wurde das Naturschutzgebiet 30 Jahre alt.

Naturschutzgebiet „Bingenheimer Ried“ - Regierungspräsidentin Lindscheid weiht neue Informationstafeln ein
22.05.2015 – Pressemitteilung Regierungspräsidium Darmstadt
Das Naturschutzgebiet „Bingenheimer Ried“ in der Wetterau kann in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass hat das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) als Obere Naturschutzbehörde eine neue moderne Beschilderung erstellt. Diese soll auf den Naturschutzraum und die dort anzutreffenden Arten aufmerksam machen. Am 21.5. hat Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid die neun großformatigen Informationstafeln in Anwesenheit zahlreicher Gäste eingeweiht. Gekommen waren unter anderen der Wetterauer Landrat, Joachim Arnold und der Bürgermeister von Echzell. Aber auch Vertreter des Forstamts Nidda, der NABU-Ortsgruppe Bingenheim und des ökologischen Fachbüros, das die Tafeln in Zusammenarbeit mit dem RP entwickelt hatte, waren vor Ort. 
Das Naturschutzgebiet liegt in der Horloffaue und bildet das Herzstück des Landschaftsschutzgebietes „Auenverbund Wetterau“. Zudem ist es, vor allem wegen seiner Bedeutung für den Erhalt seltener Vogelarten, Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000. 
„Das „Bingenheimer Ried“ ist ein Glücksfall für Hessen und seine biologische Vielfalt, denn es beherbergt eine Vielfalt von Arten, die andernorts gefährdet oder sogar schon ausgestorben sind“, sagte die Regierungspräsidentin im Rahmen ihrer Begrüßung. Die das Gebiet prägenden Feuchtwiesen sind in unserer Landschaft selten geworden und werden als Brutgebiet von für Auen charakteristischen Vogelarten wie Bekassine und Kiebitz genutzt. Auch brüten hier mittlerweile sieben Weißstorchpaare. Das Bingenheimer Ried ist aber auch ein „internationales Drehkreuz“ für Rastvögel auf ihrer langen Reise vom Norden nach Spanien und Afrika. Dazu gehören beispielsweise Kraniche, Kampfläufer und verschiedene Gänse. Insgesamt beherbergt das Gebiet rund 250 Brut- und Rastvogelarten und gehört damit zu den artenreichsten Vogelschutzgebieten Hessens, wie Regierungspräsidentin Lindscheid hervorhob. Im „Bingenheimer Ried“ fühlen sich aber nicht nur Vögel, sondern auch Insekten, beispielsweise 38 Libellen-Arten, und Amphibien heimisch. Etwa die seltene Knoblauchkröte, von der während der Laichzeit schon bis zu 2.800 Exemplare gezählt wurden - ein Spitzenwert in Hessen. 

Diese und noch viele weitere aufschlussreiche Details zum Schutzgebiet halten die neuen Informationstafeln bereit. Sie sind an den beiden Aussichtsplattformen – eine davon ist barrierefrei - und am Stallgebäude der Beweidungstiere aufgestellt. Ergänzend finden sich am Weg entlang des Naturschutzgebietes noch kleinere Tafeln der NABU-Ortsgruppe Bingenheim mit vertiefenden Hinweisen zu einzelnen Tierarten. „Wir wollen so den Besucherinnen und Besuchern den Blick öffnen für die Schönheit und Naturvielfalt, die wir hier bewahren konnten. Aber wir wollen auch um Verständnis werben, dass dieser Schatz vor unserer Haustür unsere Rücksichtnahme fordert auf die Ruhe und Ungestörtheit der hier lebenden oder rastenden Tiere“, so die Regierungspräsidentin. 

Auch sprach sie all denen ihren Dank aus, die unter der Koordination durch das Regierungspräsidium ihren Beitrag zu den beachtlichen Naturschutzerfolgen des „Bingenheimer Rieds“ seit der Schutzgebietsausweisung im Jahr 1985 geleistet haben – sei es durch Kooperation, Unterstützung oder eigene Aktivitäten. „Was wir hier erreicht haben, ist nicht zuletzt Folge eines klugen Managements von Menschenhand und der unzählbaren Beiträge einzelner, die sich für den Naturschutz und die Biodiversität engagieren“, so Regierungspräsidentin Lindscheid abschließend- unter besonderer Erwähnung des Forstamts Nidda, zuständig für die Betreuung des Schutzgebietes und der NABU-Ortsgruppe Bingenheim mit seinen ehrenamtlichen Gebietsbetreuern. 

Hintergrundinformationen zum Naturschutzgebiet „Bingenheimer Ried“: 
Fakten 
1985 Ausweisung als Naturschutzgebiet „Bingenheimer Ried“, Fläche rd. 85 Hektar. 
Das NSG liegt in der Horloffaue und bildet das Herzstück des Landschaftsschutzgebietes „Auenverbund Wetterau“. Zudem ist es, vor allem wegen seiner Bedeutung für den Erhalt seltener Vogelarten, Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000. Der überwiegende Teil der Flächen gehört zur Gemeinde Echzell, ein kleiner Teil zur Stadt Reichelsheim. 
Zuständig für Gebietsmanagement und Pflege ist das Forstamt Nidda im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt. Ehrenamtlicher Gebietsbetreuer ist Udo Seum, Vorsitzender der NABU-Gruppe Bingenheim e.V. 

Entstehung 
Das Naturschutzgebiet ist geprägt von Feuchtwiesen, die wegen ihrer häufigen Überflutungen für die Landwirtschaft kaum nutzbar waren. Deshalb wurden sie in der Vergangenheit mit Entwässerungsgräben durchzogen. Dies hatte massive Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Mit der Ausweisung als Naturschutzgebiet im Jahr 1985 wendete sich das Blatt. 

1991 begann man mit einem gezielten Wasserstandsmanagement. Ein regelbares Stauwehr ermöglicht seitdem die Nachbildung der natürlichen Wasserstandsverhältnisse: Im Winterhalbjahr und Frühjahr wird das Hochwasser der Horloff zurückgehalten, sodass sich große, flach überschwemmte Überflutungsflächen bilden können. Im Frühsommer wird der Wasserstand allmählich verringert, sodass das Gebiet nach Abschluss der Brutzeit fast vollständig trocken fällt. Unter diesen Bedingungen entstehen wichtige Nahrungs- und Rastgebiete für zahlreiche Vogelarten. Das zeitweise Trockenfallen verhindert, dass sich größere Fischpopulationen bilden, so dass auch Amphibien eine gute Chance haben, sich zu erfolgreich zu vermehren. 

Besonderheiten 
Das Bingenheimer Ried beherbergt viele Arten, die andernorts gefährdet oder bereits ausgestorben sind. 

1993 fand im Bingenheimer Ried nach langer Zeit die erste Brut des Weißstorches in der Wetterau statt. Mittlerweile sind es sieben Paare. Kiebitz und Bekassine als Charakterarten der Auen erreichen hier ihre höchste Brutdichte innerhalb des Auenverbundes. Für mehr als zehn Vogelarten stellt das Bingenheimer Ried das landesweit wichtigste Brutgebiet dar. Aber auch für den Vogelzug hat das Bingenheimer Ried eine wichtige Funktion Alljährlich rasten hier Kraniche, Kampfläufer, Gänse und andere Arten.
 
Das Bingenheimer Ried beherbergt mit der seltenen Knoblauchkröte eines der wichtigsten Amphibienvorkommen Hessens. Auf ihren Wanderwegen aus den umliegenden Winterquartieren zu den Laichplätzen wurden in zeitweise über 2.800 Exemplare gezählt, ein Spitzenwert in Hessen. 

Auch der Kammmolch ist zahlreich vertreten, ebenso der Laubfrosch, dessen Rufe weithin zu hören sind. Alle drei Arten sind von europaweiter Bedeutung und streng geschützt. 

Das Bingenheimer Ried hat eine reichhaltige Libellen-Fauna. 38 verschiedene Libellenarten sind hier nachgewiesen. Die Südliche Heidelibelle beispielsweise hat hier ihr größtes Vorkommen in Hessen. 

Management und Pflege 
Nicht nur das Wasserstandsmanagement, auch die Grünlandpflege ist entscheiden für den Erhalt der Artenvielfalt im Bingenheimer Ried. Aufgrund der feuchten Bodenverhältnisse können keine schweren Maschinen eingesetzt werden. Daher wird das Gelände mit einer Rinderherde und einer Gruppe Exmoore-Ponys ganzjährig auf wechselnden Teilflächen beweidet. Für die Tiere steht ein Offenstall als Witterungsschutz zur Verfügung. 

Zuständig für Management und Pflege ist das Forstamt Nidda im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt. Darüber hinaus engagieren sich die NABU-Gruppe Bingenheim e. V mit dem ehrenamtlichen Gebietsbetreuer Herr Udo Seum in besonderem Maß für den Erhalt des Gebiets. 

Besucher im Bingenheimer Ried 
Die Schönheit und Artenvielfalt des Bingenheimer Rieds zieht viele Besucherinnen und Besucher an. Ein Weg führt am Rand des Gebiets entlang, die Flächen selbst dürfen nicht betreten werden, um Störungen der brütenden oder rastenden Vögel zu vermeiden. 

Einblicke gewähren zwei Aussichtsplattformen. Von dort aus lässt sich so manches prächtige Naturschauspiel bewundern und dies nicht nur zur Zeit des Vogelzuges. Eine dieser Plattformen wurde 2014 barrierefrei errichtet. Hier und am Stallgebäude hat das Regierungspräsidium Darmstadt in diesem Frühjahr insgesamt 9 neue Infotafeln aufgestellt, die Interessantes und Wissenswertes zum Gebiet und den hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten vermitteln. Sie werden ergänzt durch weitere, abgestimmte Informationsangebote der NABU-Ortsgruppe Bingenheim e.V. entlang des Wegs. 


Info-Tafeln Bingenheimer Ried.pdf
 Alle Tafeln als pdf-Datei.


30-Jahre-Ried.pdf
  [Presseartikel Wetterauer Zeitung am 23. Januar 2015]

 

 Kreisanzeiger_20150124.pdf
(  Presseartikel Kreis-Anzeiger vom 24. Januar 2015)


Weitere Fotos auf der Seite "Ried-Impressionen":



Die Fortpflanzungsstrategie des Kuckucks ist eine faszinierende Anpassung an eine nur kurze Verweilzeit im Brutgebiet. Der Kuckuck ist ein Brutparasit: Er legt seine Eier in fremde Nester und überlässt anderen Vogelarten den mühevollen Dienst an einem anspruchsvollen Einzelkind. Ohne Wirtsvögel gibt es beim Kuckuck keinen Nachwuchs. Die Zieheltern ernähren ihre eigenen Jungen mit Insekten und können auch einen Jungkuckuck mit der für ihn geeigneten Nahrung versorgen.

In der neuen Beobachtungshütte im Westen des Naturschutzgebietes Bingenheimer Ried war es ein Bachstelzennest, das der Kuckuck für seine Eiablage ausgesucht hat. (Foto: jt / Quelle: NABU)


Am Westrand des Naturschutzgebietes „Bingenheimer Ried“ wurde am vergangenen Freitag eine neue Beobachtungshütte eingeweiht. Auf der Seite des Regierungspräsidiums Darmstadt ist nachfolgende Pressemitteilung veröffentlicht: „Ich bin sicher, dass diese Einrichtung einen hervorragenden Beitrag dazu leistet, Menschen, die auf einen Rollstuhl, auf Gehhilfen o.ä. angewiesen sind, das Naturerleben zu ermöglichen und ihnen neue, spannende und abwechslungsreiche Eindrücke zu vermitteln“. Mit diesen Worten eröffnete die Darmstädter Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid am heutigen Tage die im Naturschutzgebiet „Bingenheimer Ried“ gelegene erste barrierefreie Beobachtungshütte.
Die Einweihung erfolgte in Anwesenheit von Landrat Joachim Arnold, Bürgermeister Wilfried Mogk und Irene Kopf vom Landesbehindertenrat, die Grußworte sprachen sowie weiterer Gäste aus Verbänden und Behörden.
Wie Regierungspräsidentin Lindscheid bei der Einweihung erläuterte, hatte das Land Hessen 2012 einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention veröffentlicht. Dieser sieht die stärkere Einbindung und Berücksichtigung der Belange behinderter Menschen in allen Bereichen öffentlichen Lebens vor, wozu u.a. auch das Naturerleben gehört.
Vor diesem Hintergrund und insbesondere durch die Anregung eines betroffenen Bürgers aus Florstadt, der es bedauerte, dass die im Wetteraukreis vielfach vorhandenen Beobachtungshütten nur über Treppen erreichbar sind, kam es zu dem entscheidenden Anstoß zum Bau dieser barrierefreien Beobachtungshütten - eine hier in Echzell, eine zweite Hütte in Florstadt, so Lindscheid.
Das Regierungspräsidium Darmstadt stellte sodann rund 50.000 Euro je Bauwerk zur Verfügung, die Gemeinde Echzell und der Naturschutzfonds Wetterau steuerten die Grundstücke bei und Walter Schmidt von Hessen-Forst Nidda organisierte die Planung, Ausschreibung und Herstellung. Regierungspräsidentin Lindscheid bedankte sich bei allen Beteiligten für die hervorragende Unterstützung. 
Im Anschluss an die Eröffnungsfeier gab der ehrenamtliche Gebietsbetreuer, Udo Seum, den anwesenden Teilnehmern noch einige Erläuterungen zum Naturschutzgebiet.“

 Zu der kleinen Feierstunde waren auch zahlreiche Erwachsene und Jugendliche der Lebensgemeinschaft Bingenheim gekommen. Einen Fahrdienst hatte Walter Schmidt auch organisiert. Vom Parkplatz am Gettenauer Friedhof zur Beobachtungshütte kutschierte Ralf Zauner aus Florstadt die Gäste mit Planwagen und zwei seiner Pferde.

Durchführende Firmen und Planer: Architekt Büro Hubertus Von der Heid aus Nidda
Tiefbau: Hügel, Betonarbeiten, Pflaster, Geländer: Willi Heutzenröder, Florstadt / Nieder-Mockstadt
Zimmerei: Peter Franz, Nidda-Ober-Lais



Blick Richtung Gettenau und Echzell


Im Hintergrund Heuchelheim


Blick nach Nord-West


Im Hintergrund Reichelsheim


Sonnenuntergang am Feldberg. Aufgenommen vom Beobachtungsturm. Die 5 Fotos wurden aufgenommen von Ernst Henneberger (Kolbermoor) mit einer SONY NEX 6. Die Bildrechte liegen bei J.T.!

Die "Stiftung Feuchtgebiete" unterstützt im Bingenheimer Ried  die Anlage eines Flachwasserteiches. Das Forstamt Nidda lässt zur Zeit Erde abfahren, die vom letzten Bauabschnitt noch auf der Fläche lagerte. Durch die Abrundung des Gewässers findet diese Baumaßnahme ihren Abschluss.



Durch das Ausscheiden eines Beweiders (Südherde) und Auflagen der Veterinärverwaltung muss die Beweidung im Bingenheimer Ried neu organisiert werden. Dazu trafen sich das Forstamt, der Gebietsbetreuer, die Untere Naturschutzbehörde und die Beweider Mitte August, um vor Ort die zukünftige Beweidung festzulegen.
Das Naturschutzgebiet und die angrenzenden Naturschutzflächen werden in verschiedene Beweidungszonen eingeteilt. Auf der sogenannten Winterweide werden die Tiere von Mitte Oktober bis ca. Ende April / Mitte Mai gehalten. Die Flächen der Winterweide sollen dann eventuell im August gemäht werden (Mahdnutzung). Die Randbereiche werden ab April (Vegetationsbeginn) beweidet. Die Beweidung des Zentrums erfolgt dann ab Sommer.
Auf den Weideflächen werden zwei Brunnentränken angelegt.
Zurzeit werden einige vorbereitende Arbeiten im Ried durchgeführt.




Anlage von Weideübergängen




Der Teich im Norden ist in drei Bauabschnitten entstanden. Er hat eine Größe von ca. 6.370 qm.


Die NABU-Gruppe Bingenheim hat für das "Bingenheimer Ried" einen Exmoor-Hengst angekauft. Der dreijährige Hengst stammt aus einer halbwilden Haltung im Beweidungsprojekt des Naturparkes Solling-Vogler. Am 19. Juni 2013 kam der Hengst auf die Weide der Nordherde im Ried.






Extensive Weiden für Europa - Extensive Beweidung in Hessen
Naturschutzakademie Hessen hatte zu einer Fortbildungsveranstaltung eingeladen.
Viele Kulturlandschaften in Europa werden durch extensiv beweidetes Grünland geprägt. Regionen, die seit historischer Zeit beweidet wurden, beherbergen noch heute eine überaus reiche Biodiversität. Zudem trägt Beweidung zum Einkommen der ländlichen Bevölkerung bei. Extensiv beweidetes Grünland zu erhalten, stellt aus vielen Gründen eine herausragende Aufgabe bei der künftigen Gestaltung der Agrarpolitik dar.
Eine Exkursion ergänzte die Veranstaltung „Extensive Weiden für Europa – Erfahrungen für die EU- Agrarpolitik“ in Wetzlar. Der spanische Beweidungs-Experte Jesus Garzon nahm an der Exkursion teil. Er hatte in Wetzlar einen Vortrag gehalten (Großräumige Biotopvernetzung durch Transhumanz in Spanien). Und wir könnte es anders sein: die Exkursion führte natürlich auch ins Bingenheimer Ried (Weideprojekt Bingenheimer Ried - ganzjährige Beweidung mit Rindern und Pferden). Auch das Heckrinderprojekt in Stockheim wurde besichtigt (Weideprojekt Heckrinder und Koniks in der Nidderaue bei Stockheim und Effolderbach).


Die "Stiftung Feuchtgebiete" war am 20. April 2013 zu Gast in der Wetterau. Im Bingenheimer Ried unterstützt die Stiftung die Anlage eines Flachwasserteiches. Die Besichtigungsrundfahrt führte zum Bingenheimer Ried, der Horloffaue bei Reichelsheim und dem Mähried bei Staden. In Staden konnten von der Beobachtungshütte zwei Brachvögel beobachtet werden. Der Brachvogel ist der "Wappenvogel" der Stiftung. Abschluss der Fahrt bildete ein Besuch am Pfaffensee.




Anfang März schien der Frühling greifbar!


Am 12. März 2013 kam der Winter zurück. Reichlich Schnee und teilweise zweistellige Minusgrade.



Optimaler Wasserstand für Wasservögel und Amphibien. Am 30. März 2013 ist es aber noch zu kalt. Für das Brut- und das Laichgeschäft. Nachts herrschen noch MInusgrade.



2011 begonnen (Hügel) und in diesem Jahr (2012) fertiggestellt (Aufbau): eine neue Beobachtungsmöglichkeit im Süden des Naturschutzgebietes.



Die Rinderbeweidung wurde im Bingenheimer Ried als Notlösung in den 1990er Jahren eingeführt. Heute wird die Beweidung des Riedes als "Musterlösung" vielerorts kopiert. "Wasser rein, Rinder drauf: mit der Fauna gehts bergauf" (Udo Seum / Stefan Stübing).


Erfahrungen mit der Beweidung von Feuchtgebieten.pdf


Der II. Bauabschnitt des neuen Flachwasserteiches im Bingenheimer Ried ist abgeschlossen. Die Erde muss noch abgefahren werden (bei Frost oder im Sommer 2012).



Zwei Bagger sollen es zur Zeit richten: der Teich muss bis Weihnachten (2011) fertig werden.




Anfang Dezember 2011 wurde vor der Weideschutzhütte im Süden des Naturschutz-gebietes eine "Futterplatz" betoniert. Größe 15 x 15 m.







Im Zeitraum 2008 - 2011 wurde im Bingenheimer Ried ein sicherer, stabiler Weidezaun errichtet. Gesamtlänge ca. 5.300 m!


Seit dem 16. April 2011 stehen bei der Nordherde im Bingenheim 3 trächtige Exmoor-Stuten. Die Pferde sollen die Unterbeweidung in Teilbereichen des Naturschutz-gebietes beheben.

Das Exmoor-Pony ist eine mittelgroße englische Ponyrasse. Es ist das ursprünglichste der britischen Ponys, einige Herden wandern noch frei in den Mooren Südwestenglands (z. B. Exmoor).

Udo Seum konnte für zwei der Wildpferde „Paten“ gewinnen. Horst Wacker und Volker Hinkel erhielten eine entsprechende Urkunde. Die Überreichung erfolgte am 19. April auf der Koppel. Auf Wunsch der Paten erhielten die Pferde auch Namen, die sicher etwas ungewöhnlich sind. So heißt das eine Pferd „1. FC Nürnberg“ (Horst Wacker). Das Pferd von Volker Hinkel trägt den Namen „1. FC Köln“.

Ein drittes Pferd wartet noch auf einen Paten.

Am 20. April gab es den ersten Nachwuchs.










Die "Stiftung Feuchtgebiete" war zu Gast im Bingenheimer Ried. Die Stiftung unterstützt die Anlage eines neuen Flachwasserteiches im Ried. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der Artenvielfalt, die im Bingenheimer Ried zu beobachten ist.


Land unter im Januar und Februar 2011


Bei der Umsetzung der Knoblauchkröten entdeckten W. Hausmann und ich am 31.3.2011 (8:30 Uhr) einen Sichler. Der Vogel war am Vortag bereits beobachtet worden. Der Vogel wurde am 19.6.10 bei Tarragona /Spanien nestjung beringt (Dr. T. Sacher).

Sichler (Plegadis falcinellus)  Mittelgroßer Schreitvogel mit dunkelbraunem, grünlich-metallisch glänzendem Gefieder. Im Schlichtkleid Hals und Kopf weißlich gesprenkelt. 

Lokaler Brutvogel in Südfrankreich, Italien, auf Korsika, dem Balkan und in der Türkei sowie am nördlichen Schwarzen und teilweise am Kaspischen Meer. Überwintert vorwiegend in Afrika, teilweise auch in Südspanien und im Nahen Osten. In Israel ganzjährig.
Bewohnt vor allem sumpfige Gebiete und flache Gewässer.

Der Sichler ist weg (10.4.2011). Er wurde zunächst in Norddeutschland (Göttingen) und danach in Brandenburg gesichtet. 




Eine zweite Weideschutzhütte


Auch für die Nordherde wurde im Bingenheimer Ried eine Weideschutzhütte gebaut. Die Arbeiten konnten in der letzten Woche des alten Jahres abgeschlossen werden. Und wie man sieht, die Rinder haben ihr neues Domizil gerne angenommen.





In unmittelbarer Nähe des Beobachtungsturmes wird ein Flachwasserbiotop gebaggert.

Morgenstimmung im Ried




Exkursion mit dem Landrat im Bingenheimer Ried am 20. März 2010 - 20 Jahre Auenverbund Wetterau

 


Die neue Broschüre können Sie anfordern bei: Hessen-Forst, Forstamt Nidda, Auf der Platte 34 in 63667 Nidda. Auch per Mail: forstamtnidda@forst.hessen.de


Bingenheimer Ried.pdf
 Download der Info-Broschüre



Rotes Höhenvieh als Pensionsgäste

Drei Mutterkühe und drei Kälber sind zu Gast im Bingenheimer Ried. Die aus dem Hessenpark stammenden Rinder gehören Gerd Bauschmann und seinen Partnern. Der erste Versuch, die Tiere zur Beweidung von Flächen  im Raum Ossenheim einzusetzen scheiterte. Die Rinder akzeptierten nicht den eindrahtigen Elektroweidezaun und büchsten aus. Mit viel Mühe eingefangen, wurden sie in einem Stall gehalten. Man suchte nach einer Möglichkeit, die Rinder an die „Freiheit in der Wetterau“ zu gewöhnen.
Das Bingenheimer Ried mit seinem stabilen Weidezaun bot sich dafür an. Der Beweider Stefan Kannwischer erklärte sich bereit, die Rinder unter seine Obhut zu nehmen.
Seit ältester Zeit muss man den mitteldeutschen Raum als Verbreitungsgebiet eines einfarbig roten Rindes ansehen. Der Volksstamm der Kelten brachte dieses Rind bei seinem Eindringen in Europa mit sich. Häufig findet man es in älterer Literatur folglich auch unter der Bezeichnung "Keltenvieh". Die Art und Weise der Landwirtschaft und der Tierhaltung ließ hier ein kleines, widerstandsfähiges, robustes und dennoch leistungsfähiges einfarbig rotes Rind entstehen.
Erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts setzte eine züchterische Bearbeitung ein. Man hatte erkannt, daß durch Auswahl guter Tiere zur Vermehrung, sich die erbrachten Leistungen der Elterntiere auch in der Folgegeneration erzielen ließen. Die Züchter versuchten ihr Glück durch Einkreuzung allerlei fremder, offensichtlich besserer oder leistungsfähigerer Tiere. Schon sehr bald musste man erkennen, dass dieses Rezept nicht ohne weiteres funktionierte. Die tierische Leistung war also auch ein Produkt seiner Umwelt. Die eingeführten und eingekreuzten Tiere passten einfach nicht in die kleinbäuerlich strukturierten Betriebe der deutschen Mittelgebirge.
Daraufhin begann man die Viehstämme aus sich heraus zu verbessern. Dies führte gegen Ende des letzten Jahrhunderts zur Gründung von Herdbuchgesellschaften in fast allen Zuchtgebieten dieser roten Rinder, also den deutschen Mittelgebirgen, so auch im Jahr 1885 zur Gründung der "Oberhessischen Herdbuchgesellschaft für Vogelsberger Rotvieh". Aus dieser Zeit stammen auch die Begriffe wie "Vogelsberger", "Waldecker", "Bayrisches Rotvieh", "Harzer Rotvieh" oder auch "Odenwälder Rotvieh", um nur einige zu nennen. Als Höhenrotvieh wurden diese Rassen oder Schläge unter einem Begriff zusammengefasst.
Man züchtete ein Rind, das unter den kärglichen Bedingungen der Landwirtschaft in den Mittelgebirgen trotzdem eine respektable Milchleistung erbrachte. Fast ebenso wichtig war die Zugleistung der Tiere, die ebenfalls beachtet wurde. Daneben sollten die Tiere auch noch eine ansprechende Fleischleistung erbringen.
Im Laufe der Jahre kam es jedoch immer wieder zu Einfuhren und Einkreuzungen anderer Rassen (z. B. Fleckvieh, Frankenvieh) in alle Rotviehzuchten, die das dem Höhenviehtyp zuzurechnende mitteldeutsche Rotvieh, ob nun Vogelsberger, oder Waldecker, züchteten. Auch innerhalb dieser Züchterorganisationen kam es regelmäßig zu einem Zuchttieraustausch.
Kriege und wirtschaftliche Einflüsse sorgten dafür, daß die Arbeit der Züchter mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich war. Dennoch konnte man ein bodenständiges Rind züchten und erhalten, das den Anforderungen der Bauern in den eher benachteiligten Mittelgebirgslagen entsprach.
Seit den 50er Jahren zeichnete sich jedoch eine sehr starke Umstrukturierung der Landwirtschaft und damit auch der Tierzucht ab, die auch an den Rotviehzuchten nicht spurlos vorbeiging. Die zunehmende Technisierung und Motorisierung der Landwirtschaft, mit dem Traktor als äußerem und markantestem Ausdruck, sorgte dafür, daß Landwirtschaft wesentlich intensiver betrieben werden konnte und musste als bisher. Dieser Schub an Leistungsfähigkeit, der nun auch von der Tierzucht und damit auch vom Rotvieh gefordert wurde, war in kurzer Zeit nicht durch züchterische Anstrengungen innerhalb der Rotviehschläge zu realisieren. Man begann eine Verdrängungskreuzung mit Rindern der Rassen, die optisch dem Bild des Rotviehs am ehesten entsprachen und in ihren Leistungen das brachten, was der expandierende Markt für die tierischen Produkte Milch und Fleisch forderte. Zu diesen Rassen zählten vor allem das Angler Rind, aber auch das Rote Dänische (Milch-)Rind. Die Zugleistung der mitteldeutschen Rotviehschläge, seit jeher eine der wichtigsten Leistungen dieser Tiere, war nun nicht mehr gefragt, die tierische Leistung diesbezüglich war buchstäblich wertlos.
Diese Entwicklungen führten dazu, daß die mitteldeutschen Höhenrotviehschläge aller Zuchtgebiete nach und nach und fast unmerklich verschwanden.
Erst zu Beginn der 80er Jahre machten sich einige Tierzüchter und Landwirte Gedanken um den Erhalt dieser Rotviehschläge. In Gießen gründete sich ein Arbeitskreis zur Erhaltung des Vogelsberger Rindes, jenes Schlages, der im benachbarten Vogelsberg noch vor nicht allzu langer Zeit vorherrschend war. Ernüchternd war die Suche nach "überlebenden" Tieren dieses Schlages.
Ca. 20 weibliche Tiere konnten gefunden werden, die jedoch keineswegs reinrassige alte "Vogelsberger" waren. Ihr Genanteil belief sich auf maximal 50 %, meistens jedoch auf 25 % und weniger.
Den entscheidenden Anstoß für den Beginn einer tierzüchterisch sinnvollen Arbeit gab der "Fund" von Restspermaportionen eines reinrassigen Bullen des alten Rotviehs. Die Zentralbesamungsstation in Gießen verfügte noch über ca. 60 Portionen dieses Spermas und unterstützte fortan die Bemühungen des Arbeitskreises. Durch Anpaarung an die interessantesten noch verbliebenen Kühe konnten Tiere nachgezogen werden, deren rechnerischer Genanteil immerhin so hoch lag, daß sich mit diesen Tieren erfolgversprechend weiterzüchten ließ. Weiterhin konnten durch intensive Nachforschungen noch weitere weibliche Tiere gefunden werden, die dem alten Rotvieh entstammten. Auch hier waren es keine reinrassigen Tiere mehr, aber immerhin Tiere mit nennenswerten und nachweisbaren Genanteilen alten Rotviehs. Die Zuchtbasis vergrößerte sich.
Zu dieser Zeit, im Jahr 1985, wurde aus dem Arbeitskreis nun der "Verein zur Erhaltung und Förderung des Roten Höhenviehs e.V.".
Hätte man bis zu diesem Zeitpunkt noch von den "Vogelsbergern" sprechen können, da alle Tiere aus dem ehemaligen Verbreitungsgebiet dieses Schlages stammten, so stimmte das nun nicht mehr.
Auch in den anderen früheren Zuchtgebieten des alten Rotviehs wurde man fündig, insbesondere im Harz und in Westfalen.
In diesen Zuchtgebieten war die Entwicklung ähnlich verlaufen wie im Vogelsberg. Da jedoch deren züchterische Basis zu gering war, um ein ähnliches Vorhaben wie in Hessen zu realisieren, konnten die interessanten Tiere glücklicherweise in die hessischen Aktivitäten integriert werden.
Meistens wurden die Tiere nach Hessen verkauft. Spätestens jetzt ist der Begriff "Vogelsberger" nicht mehr zutreffend, die Bezeichnung "Rotes Höhenvieh" ist hier viel richtiger.
Sehr bald wurden jedoch Stimmen laut, die auf das Problem des starken Inzuchtzuwachses in einer solch kleinen Population aufmerksam machten. Dieser Tatsache begegnet man bisher durch den geringen aber gezielten Einsatz genealogisch nahe verwandter Rassen in der Population des Roten Höhenviehs. Dazu zählen vor allem die Gelbviehschläge, wie das Frankenvieh, das noch in großer Zahl gezüchtet wird, aber auch das Lahnvieh. Das Lahnvieh ist eine bereits seit längerem ausgestorbene Rinderrasse, die in der Gegend um Limburg/Lahn beheimatet war. Verfügbar ist diese Rasse ebenfalls nur durch einen geringen Spermavorrat eines Bullen in der Zentralbesamungsstation Gießen.
Nachdem sich die Population bis heute auf dieser Basis entwickeln und konsolidieren konnte, steht die Frage der Nutzung der Tiere heute im Mittelpunkt des Interesses.
Heute betreut der "Verein zur Erhaltung und Förderung des Roten Höhenviehs e.V." ca. 230 weibliche Tiere, die von über 35 Züchtern gehalten werden.
Der Ausblick in die Zukunft orientiert sich sehr stark an den Einsatzmöglichkeiten des Roten Höhenviehs.
Dazu muss man sich das heutige Zuchtziel vor Augen halten, das abgeleitet ist von dem Zuchtziel für das Rotvieh, wie es in der Vergangenheit formuliert wurde:
Zuchtziel ist ein einfarbig rotes bis rot-braunes Zweinutzungsrind im mittleren Rahmen mit kurzem bis mittellangem Kopf, kurzem festem Hals, mit ausgeprägter Wamme sowie tiefer Brust. Der mittellange und gerade Rücken sollte eine gute Rippenwölbung bei tiefer Flanke zeigen.
Angestrebt wird eine volle Bemuskelung, kräftige feste Gliedmaßen mit korrekter Stellung und dunklen harten Klauen. Das Flotzmaul und die Hörner sollten hell, letztere mit dunklen Spitzen versehen sein. Die Schwanzquaste ist hell.
Das Rote Höhenvieh soll sich besonders für die Haltung auf der Weide eignen und auch in der Landschaftspflege verwendet werden können. Kühe und Bullen sollen sich durch beste Fruchtbarkeit, hohe Widerstandskraft und Vitalität auszeichnen. Bei guter Mast- und Schlachtleistung, insbesondere Fleischqualität wird eine Milchleistung von 4000 kg aus dem Grundfutter bei 4,5 % Fett und 3,5 % Eiweiß angestrebt.
Das Gewicht der ausgewachsenen Bullen beträgt 750 - 950 kg, bei einer Widerristhöhe von 135 - 145 cm. Das Gewicht der Kühe beträgt 550 -700 kg bei einer Widerristhöhe von 130 - 140 cm.
Damit ist das heutige Rote Höhenvieh sowohl phänotypisch als auch in seinem Leistungsspektrum beschrieben.
Bei der Nutzung der Tiere zur Milcherzeugung muss man nun berücksichtigen, daß der betriebswirtschaftliche Erfolg nicht durch sehr hohe Einzelleistungen der Kühe erzielt wird und auch gar nicht erzielt werden kann. Vielmehr sind es besondere Bedingungen die hier dazu führen auch mit Rotem Höhenvieh ökonomisch Milch erzeugen zu können.
Der bewusste Verzicht auf hohe Kraftfuttergaben, aber auch besondere betriebliche extensive Fütterungs- und Haltungsbedingungen, die einen hohen Kraftfuttereinsatz ausschließen, lassen dem Roten Höhenvieh Einsatz- und Nutzungsmöglichkeiten. Hier ist es der Standort mit seiner betrieblichen Umwelt, die einen Leistungsrahmen setzt, der mit dem genetischen Leistungsprofil des Roten Höhenviehs genau ausgefüllt werden kann.
Immer mehr Züchter nutzen jedoch das Rote Höhenvieh in der Mutterkuhhaltung. Auch hier steht der ökonomische Aspekt im Vordergrund.
Dabei besitzt das Rote Höhenvieh Eigenschaften, die seine Verwendung in der Mutterkuhhaltung lohnenswert machen. Robustheit und Widerstandsfähigkeit seien hier beispielhaft noch einmal erwähnt. Mit diesen Voraussetzungen lässt sich ein Einsatz der Kühe auch unter stark extensivierten Fütterungs- und Haltungsbedingungen verwirklichen. Dennoch sichert die genetisch veranlagte hohe Milchleistung eine optimale Entwicklung der Saugkälber, die als Absetzer ein qualitativ hervorragendes Produkt der Mutterkuhhaltung mit Rotem Höhenvieh ergeben. Sowohl die Schlachtung, als auch die Weitermast der Absetzer kann unter ökonomischen Gesichtspunkten durchaus positiv beurteilt werden.
Den Züchtern des Roten Höhenviehs ist es bisher sehr gut gelungen, die Forderung nach dem Erhalt einer Rasse in ein wirtschaftliches Umfeld zu integrieren. Ausgehend von den Leistungen der Rasse ist versucht worden, die entsprechende betriebliche Umwelt zu suchen bzw. zu schaffen.
Bestrebungen der Extensivierung der Landwirtschaft auch im Zusammenhang mit der Forderung nach Landschaftspflege und -schutz wirken sich hier durchaus positiv aus.
Für die Zukunft des Roten Höhenviehs bedeutet es, die Zucht daraufhin auszurichten, die genannten Merkmale in der Rasse zu manifestieren und eine überlebensfähige Population zu erhalten, in der die wirtschaftliche Bedeutung dieser Merkmale bewiesen und demonstriert werden kann. Eindrucksvoller kann der Sinn und Zweck der Erhaltung des Roten Höhenviehs sicher nicht gezeigt werden.

Aus: http://www.g-e-h.de/geh-rind/rotes.htm